Die Sielhaut ist ein grau-brauner Biofilm aus Mikroorganismen (Bakterien und Pilze), der sich auf der Innenseite von Abwasserleitungen (Sielen) bildet und je nach mikrobieller Zusammen­setzung oftmals eine “fettige und seifige” Konsistenz hat. Sie ist in der Lage, Schadstoffe aus dem Abwasser aufzunehmen und anzureichern (Memory-Effekt).

 Abb. 1: Schematische DarstellungAbb. 2: Sielhautproben

Die Grafik soll auf der linken Seite aerobe Verhältnisse und damit eine helle braun-graue Sielhaut symbolisieren und Rechts eine anaerobe fast schwarze Sielhaut. In den beiden Probegläschen sind Beispiele von diesen beiden Extremen abgebildet.

Sielhautuntersuchungen werden zur Ermittlung von schwermetallhaltigen Einleitungen seit der Veröffentlichung der Dissertation von Gutekunst vor über 20 Jahren vielfach eingesetzt. Auch in Bielefeld konnte Anfang der 90er Jahre eine massive Zinkeinleitung regional eingegrenzt und dann durch intensive Suche einer Firma konkret zugeordnet werden. Die illegale Abwassereinleitung konnte durch direkte Beprobung des Abwassers weiter belegt und sofort unterbunden werden. Durch das schnelle Auffinden der Schadstoffquelle konnte seinerzeit der Kläranlagenbetrieb sichergestellt werden.

Da das Wachstum des Biofilms von unterschiedlichen physikalischen (z.B. hydrau­lische Bedingungen im Kanal, Temperatur des Abwassers), chemischen (pH-Wert, organische und anorganische Zusammensetzung des Abwassers) und biologischen (Spezies der Mikroorganismen und Organismendichte im Biofilm) Faktoren abhängt, lassen sich keine quantitativen Rückschlüsse aus den Schadstoffkonzentrationen in der Sielhaut auf die Konzentrationen im Abwasser ziehen. Trotzdem ist das Verfahren geeignet, zuverlässige Hinweise für eine Lokalisierung von punktförmigen Schadstoffquellen zu geben, gerade im Vergleich mit unbelaste­ten Bereichen.